Eine starke Gemeinschaft

Rund 60 Vertreter und Ersatzvertreter folgten der Einladung des Aufsichtsrates und des Vorstandes

Am 13.11.19 fand unser diesjähriges Vertreterseminar statt, bei dem die Vertreter Informationen zu den Themen Sach- und Haftpflichtversicherung sowie aktuelles Mietrecht erhielten.

Zunächst begrüßten die Vorstandsmitglieder Herr Prandzioch-Maratzki und Frau Liebau-Schlüfter die zahlreichen Gäste und die Referenten.
Im Anschluss informierten sie über Organisatorisches und wichtige Termine zum 120jährigen Jubiläum der Genossenschaft.

Versicherungen

Das erste Thema "Versicherungen" wurde durch den Referenten Torsten Neumann-Schöngraf (WSA GmbH) vorgetragen.
Der Fokus lag zunächst auf der Differenzierung, welche Versicherung für welche Art von Schäden leistet.
Die Wohngebäudeversicherung der WGS versichert Gefahren, wie Leitungswasser, Feuer, Sturm, Hagel, böswillige Beschädigung (auch Graffiti), Glas des allgemeinen Gebrauchs, Nässeschäden (durch Einregnung) sowie Elementarschäden.
Die Haftpflichtversicherung hingegen versichert die Ansprüche Dritter.

>Leitungswasser
Als Leitungswasserschaden wird im Versicherungsbereich das Wasser bezeichnet, welches bestimmungswidrig ausgetreten ist.
Beispiel: Bei einem klassischen Rohrbruch mit Schaden an Tapete/Anstrich und Schaden am Mietereigentum übernimmt die Gebäudeversicherung der WGS die Rohrbruchreparatur und den Schaden an Tapete oder Anstrich.
Die Hausratversicherung des jeweiligen Mieters reguliert den Schaden am Eigentum der Mieter.

An dieser Stelle wurde eindeutig herausgestellt, warum es für den Mieter so wichtig ist, eine Hausratversicherung zu besitzen. "Die Hausratversicherung versichert bildlich gesprochen alles, was herausfällt, wenn das Haus auf den Kopf gestellt und das Dach abgenommen würde", erläuterte Herr Neumann-Schöngraf. Ergänzend erklärte Frau Liebau-Schlüfter: "Damit im Fall eines Leitungswasserschadens in der Wohnung das Abdrehen der Abstellhähne erfolgen kann, sollten diese regelmäßig bewegt werden.
Da der Mieter eine Fürsorgepflicht gegenüber der Genossenschaft trägt, sollten bei einer längeren Abwesenheit (z. B. Urlaub, Kur) die Abstellhähne geschlossen werden."

>Feuer
Ein Brand ist ein Feuer, dass sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag. Im Rahmen der Versicherung sind auch Blitzschläge und Überspannungsschäden am Gebäude mitversichert. Schäden, die hierdurch an elektrischen Geräten der Mieter entstanden sind, können über die Hausratversicherung reguliert werden.

>Sturm
Als Sturm wird eine wetterbedingte Luftbewegungvon mindestens Windstärke 8 (ab 62 km/h) bezeichnet.
Die durch Sturm entstandenen Schäden am Gebäude werden durch die Wohngebäudeversicherung der WGS reguliert.

>Beschädigung
Muss sich die Feuerwehr gewaltsamen Zugang zu einer Wohnung verschaffen, da der Verdacht auf eine Gefahr für Leib und Leben besteht, so sind die verursachten Schäden, z. B. an der Wohnungseingangstür, über die WGS versichert. Der Mieter oder Bewohner, der gegebenenfalls die Meldung oder den Hinweis an die Feuerwehr gegeben hat, wird nicht herangezogen.

Auf die Frage eines Vertreters, ob der Schlüsselverlust des Mieters bei einem General-Schließsystem mitversichert ist, gab es allerdings eine klare Aussage von Herrn Neumann-Schöngraf: Nein.
Jedoch bietet mittlerweile fast jede Haftpflichtversicherung eine Schlüsselverlustversicherung an. Das Vorhandensein einer solchen Zusatzversicherung sollte von jedem Mieter geprüft werden.

Aktuelles Mietrecht

Herr RA Philipp - Justiziar des VdWg Verband derWohnungsgenossenschaften Sachsen Anhalt e.V. -informierte über besondere Mietrechtsfälle bezogenauf das Zusammenleben in Mehrfamilienhäusern.

>Mieterhöhung nach Modernisierung
Es ist aktuell oft in den Medien zu hören, dass die Modernisierungsumlage von 11% auf 8% gesunken ist. Ein aktuelles BGH-Urteil besagt zudem, dass ein Mieter aufgrund einer Härtefallentscheidung gar keine Modernisierungsumlage zahlen muss. An dieser Stelle wurde noch einmal von Herrn RA Phillip erläutert, dass immer der Einzelfall zu prüfen ist und nicht jedes BGH-Urteil zu jedem Fall passt. Zum Abschluss des Vortrages übernahm Herr Prandzioch-Maratzki das Wort und machte deutlich, welche Kosten in den letzten Jahren durch Versicherungsschäden an Gebäuden der WGS entstanden sind.
Durch steigende Versicherungsprämien ist eine Anpassung der Betriebskosten dann unumgänglich.

>Lärm
Beeinträchtigungen durch Lärm und die damit verbundenen rechtlichen Folgen bedürfen einer Einzelfallprüfung. Beispielsweise sind wichtige Kriterien:
• Welches Haus betrifft es? (Baujahr, Größe u.s.w.)
• Kinderlärm
• wiederkehrender Lärm oder einmaliges Ereignis (besondere Feierlichkeiten, z. B. Geburtstag)
• Lärmursache ist eine psychische Erkrankung des Verursachers

Wichtig ist, vor der direkten Beschwerde beim Vermieter auf den Mitmieter zuzugehen und eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Zudem sollten Sie sich bewusst sein, dass solche Probleme nicht sofort von der Genossenschaft gelöst werden können und damit teilweise ein langjähriger Prozess verbunden ist.

>Hausflurnutzung
Kinderwagen, Schuhschränke und andere sperrige Gegenstände haben im Hausflur bzw. im Treppenhaus nichts zu suchen. Kinderwagen und vereinzelt auch Rollatoren sind nur vorrübergehend im Eingangsbereich erlaubt.

>Verwahrlosung
Der Vermieter kann im Fall der Verwahrlosung nur kündigen, wenn der Mieter den Hausfrieden nachhaltig stört und damit eine direkte Gefahr für Mitmenschen und Mietsache besteht.

Nach den spannenden Vorträgen konnten sich die Vertreter und Gäste beim gemütlichen Abendessen unterhalten und so manches Thema der Vorträge noch einmal aufgreifen und diskutieren.